Mettlen Theater Special

In ALLE, kommerziell, kulturell by Thomas Knöri0 Comments

Bestens besuchte „Gemeindeversammlung“

Zum Stadtjubiläum beehrte mit Mike Müller ein weiterer grosser Name Opfikon. Und um möglichst viele Opfiker zu beschenken, tat er dies in einem grösseren Saal.

Mike Müller führte Opfikon zum Jubiläum vor, was an einer Gemeindeversammlung alles schief laufen kann. (Foto: Werner Spath)

Das im Katholischen Kirchgemeindehaus Forum durchgeführte Theaterprogramm wurde zu einem vollen Erfolg und sollte sich eines 50-Jahr-Stadtjubiläums vollumfänglich als würdig erweisen, denn mit Mike Müller reihte sich ein weiterer bekannter Akteur nahtlos in die stets hervorragenden im Mettlen-Theater auftretenden Bühnenkünstler ein. Der Freitag, 7. September, machte erneut beste Werbung für den immer beliebteren Bereich der Theater-Kleinkunst.
Allein schon wegen seiner zahlreichen Auftritte in Theatern, Fernsehproduktionen und Filmen sowie des damit verbundenen hohen Bekanntheitsgrads ist Mike Müller nicht nur hier bekannt geworden, was einerseits ein weiterer Grund für den Andrang und wahren Run auf die Eintrittskarten in Opfikon gewesen sein mag. Andererseits bot sich hier Gelegenheit, dem beliebten Künstler einmal persönlich gegenübertreten zu können, was sich viele nicht entgehen lassen wollten. Jedenfalls war das Forum restlos «ausverkauft».

Politik und Emotionen
Die Komödie «Heute Gemeindeversammlung» ist ein Ein-Personen-Theaterstück. Was der Schauspieler und Autor Mike Müller auf die Bühne bringt, ist in seiner Art ungewöhnlich realitätsnah – Politik auf der untersten Ebene, dafür umso emotionaler. Jeder, der schon einmal eine Versammlung miterlebte – was auf die meisten im Saal Anwesenden zutreffen wird –, kann dies bestätigen. Verschiedenste Themen kommen zur Sprache, hochaktuelle ebenso wie alltägliche: Zuwanderung, Burkatragen, Einbürgerung, Fusion mit der Nachbargemeinde, Geschenk an Kindergeburtstagen, wiederverwendbares Geschenkpapier, nur um einige zu nennen. Und weil hier die Suppe heisser gegessen wird, als sie gekocht wurde, läuft diese Gemeindeversammlung bald aus dem Ruder. Diese Wendung ist insofern interessant, als dass es etwas an Müllers erste Gemeindeversammlung erinnert, die er mit 20 Jahren besucht hatte: Dort sei der Gemeindepräsident aus lauter Ärger über eine abgelehnte Umzonung gleich nach der Versammlung zurückgetreten, wie er in einem Interview mit dem «Landboten» sagte.
Immer wieder zieht der Künstler sein Publikum in die Bühnenhandlung mit ein, was zusätzliche Handlungsdichte schafft und im Bühnenzweig der Theater-Kleinkunst mittlerweile durchaus üblich ist. Dabei wird Müller nie zynisch, nutzt niemals die Schwächen anderer aus oder macht sich auf Kosten anderer lustig. Er überzeugt auch in diesem seinem dritten Solo-Bühnenstück, bei dem Rafael Sanchez Regie führte, durch seine hohe Dynamik und beeindruckende Bühnenpräsenz. Kein Wunder, sind etliche Aufführungen bereits Monate im Voraus ausverkauft.

Die lange Karriere des Mike Müller
Mike Müller besuchte in Zuchwil und Trimbach die Primarschule, machte 1984 an der Kantonsschule Olten die Matura und studierte anschliessend an der Universität Zürich Philosophie.
1983 gründete er mit Freunden die Jugendtheatergruppe Olten. In diesem Umfeld entstanden zahlreiche Produktionen, unter anderem auch das «theaterstudio olten». In den Neunzigerjahren begann er in der freien Szene in Zürich Theater zu spielen. Dabei war er immer wieder Gast im Theaterhaus Gessnerallee, beim Casinotheater Winterthur, am Schauspielhaus Zürich sowie am Theater Neumarkt. Nun folgten verschiedene Engagements in Film, TV und Theater. Zusammen mit Viktor Giacobbo spielte er von 2008 bis 2016 in der beliebten Late-Night-Show «Giacobbo/Müller». Seit 2013 spielt Mike Müller die Hauptrolle in der Krimiserie «Der Bestatter».

Beitrag zum Stadtjubiläum
Da Mike Müller ohne vorlaufende Worte direkt mit seiner «Gemeindeversammlung» begann, begrüsste Theater-Intendant Rolf Baumgartner zusammen mit Stadtrat Valentin Perego und Mike Müller die Anwesenden erst am Schluss des ohne Pause durchlaufenden Bühnenstücks. Mit Mike Müller brachte das Kleintheater Mettlen abermals einen hervorragenden und auch hier bestens bekannten Künstler auf die Bühne, diesmal auf jene des Forums St. Anna, das mehr Platz bietet. Mit ihrer sorgfältigen und stets gelungenen Programmauswahl erfüllen die Verantwortlichen des Opfiker Kleintheaters immer wieder die Erwartungen des Professionalität gewohnten, sachkundigen Opfiker Publikums, das bewies auch hier der anhaltende Schlussapplaus.

Mettlens Geschenk an Opfikon
Nachdem das Mettlen-Team einstimmig beschlossen hatte, bei der Agenda 50 auch mitzumachen, wurden die damit verbundenen Notwendigkeiten rasch offenbar: Mehr Sitzplätze – mindestens 250 anstelle der 120 im Mettlen-Singsaal –, also grösserer Saal; einen allseits bekannten Bühnenakteur, der mit Mike Müller überraschend schnell gefunden war; Gratiseintritt, um jedem einen Besuch zu ermöglichen; erweiterte Werbung und Bekanntmachung, was im Hinblick auf die grosse inzwischen ausgelöste Resonanz und das erzielte Echo alle Zweifel aus dem Weg räumte, denn in kürzester Zeit waren sämtliche Eintrittskarten ausgehändigt.

Werner Spath, Stadtanzeiger vom 13.9.2018

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