Opfiker Regent

In ALLE, bildend, kommerziell, kulinarisch by Thomas Knöri0 Comments

Die Geschichte des Opfiker Weins im «Wunderbrunnen»

Der Montagabend stand im Restaurant Wunderbrunnen ganz im Zeichen des Lokalweines. Sommelier Davide Dellago führte die Gäste durch diverse Jahrgänge des «Opfiker Regents». Dazu gab es ein abwechslungsreiches 3-Gang-Menu.

Jungsommelier Davide Dellago kredenzte und erklärte die unterschiedlichen Jahrgänge des Opfiker «Regents». (Foto: Fabian Moor)

Bereits beim Apéro ist die Stimmung locker. Die Gäste plaudern angeregt, während Paulo Teixeira – Restaurantleiter des Wunderbrunnens – einen leichten Rosé ausschenkt. Viele Teilnehmende sind Mitglied der Rebberg-Genossenschaft Opfikon und gespannt darauf, sich heute von Jungsommelier Davide Dellago durch diverse Jahrgänge ihres eigenen Weines führen zu lassen.
Vom Wein zur Milch und zurück Kurz nach 19 Uhr begrüsst Hansruedi Hottinger, der Präsident der Genossenschaft, die Gäste mit einigen Anekdoten: «Im 15. Jahrhundert war zwischen Opfikon und Wallisellen früher alles voll mit Reben», erzählt er. Wirtschaftliche Krisenzeiten vor dem Ersten Weltkrieg forderten aber eine Umorientierung vom Rebbau zur Milchwirtschaft. 1993 sei es gewesen, als sich die Stadt Opfikon – als Erinnerung an vergangene Zeiten – einen Rebberg kaufen und diesen bewirtschaften wollte. Die Rede ist vom Rebberg unterhalb des Mettlenparks. Die eingeplanten 30 000 Franken für dieses Projekt wurden jedoch aus Spargründen wieder aus dem Budget gekürzt, was den damaligen Stadtrat Hans Leemann auf die Idee brachte, eine Genossenschaft zu gründen und den Rebberg privat zu bewirtschaften. Die Idee kam gut an, und mittlerweile produziert die Rebberg-Genossenschaft Opfikon jährlich bis zu 3000 7-dl-Flaschen Wein.
Drei Weingläser stehen an jedem Platz bereit. Eines davon – das Trinkglas – wird über den Abend hinweg laufend aufgefüllt, während sich in die beiden anderen wie von Geisterhand mit kleinen Schlucken Opfiker Regents aus verschiedenen Jahrgängen auffüllen.

Jungsommelier mit Ambitionen
Sommelier Davide Dellago geht umher, vertieft sich regelmässig in Gespräche mit interessierten Gästen und gibt Auskunft über den Wein und dessen Jahrgang. Der 30-jährige, gebürtige Italiener gewann dieses Jahr gleich bei seiner ersten Teilnahme an den «Gaggenau Sommelier Awards» und wird somit als bester Jungsommelier der Schweiz gehandelt. «Das Degustieren eines Weins wird in drei Kategorien aufgeteilt: Auge, Nase und Mund», erklärt er. In einem Contest müsse man die Traubensorte, die geografische Lage und die Wetterverhältnisse ganz genau herausschmecken können. Bald gehe es an die Weltmeisterschaften in China, von wo er nicht nur mehr Erfahrung, sondern auch einen Titel und viel Ruhm mit nach Hause bringen könnte. Seit wenigen Wochen erst arbeitet er im Wunderbrunnen in Opfikon – ein Restaurant, welches Feinschmecker aus dem In- und Ausland anzieht und für seinen riesigen Weinkeller bekannt ist.

Bordeaux-Dinner
Der Wunderbrunnen macht seinem Namen alle Ehre. Stolz präsentiert Restaurantleiter Teixeira den Weinkeller, welcher sich unterhalb des Restaurants befindet. «Es ist der zweitgrösste Weinkeller der Schweiz», gibt er Auskunft und posiert mit der teuersten Flasche, die sich in Griffnähe befindet. 35 000 Franken betrage ihr Wert. Regelmässig werden Weindegustationen und spezielle Events im «Wunderbrunnen» durchgeführt. Am 27. Oktober findet zum Beispiel das Bordeaux-Dinner statt. Der Anlass über den Regent, der praktisch vor der Haustüre hergestellt wird, sei trotzdem ein Highlight.

Junges Blut für die RGO
Die vor 25 Jahren gegründete Rebberg-Genossenschaft befindet sich in einem Wandel. Einige der Mitglieder sind mittlerweile zu alt, um selbst mitzuarbeiten. «Wir suchen junge, motivierte Mitglieder, die sich für Wein begeistern lassen und gerne ab und zu im Rebberg mitarbeiten», verkündet Hottinger. Informieren könne man sich auf der brandneuen Homepage www.rgo.ch, auf welcher man auch die Weine der Genossenschaft bestellen kann.

Fabian Moor, Stadtanzeiger vom 20.9.2018

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