Food-Festival.ch

In ALLE, bildend, familiär, kommerziell, kulinarisch by Thomas Knöri0 Comments

3000 Gäste bekocht und beglückt

Am Food-Festival 2018 vergangenen Samstag drehte sich alles ums Essen – selbst die Gespräche.

Unter den vier Ständen mit dem grössten Umsatz fanden sich dieses Jahr auch die Philippinen. (Fotos: Roger Suter)

Zwischen 2900 und 3000 Personen haben am vergangenen Samstag das 7. Opfiker Food-Festival besucht. «Ganz genau wissen wir das nie», erklärt Initiator und OK-Präsident Paul Remund. Man zähle die verkauften Jetons und teile deren Zahl durch drei, was drei Portionen pro Person bedeutet. Da diese Formel seit Beginn angewendet wurde, lässt sich daraus ablesen, dass die Besucherzahl konstant und hoch ist – auch wenn jemand mal mehr oder weniger essen mag.
Mit dem Besucheraufmarsch ist Remund sehr zufrieden. «Weil auch das Wetter mitgespielt hat, wurde es in der ‹Portikon›-Halle nie zu eng – die Leute sassen gern draussen an der Sonne. Besser hätten wir es uns nicht wünschen können.» Auch die Standbetreiber seien, bis auf vereinzelte Ausnahmen, sehr zufrieden gewesen. Unter den vier mit dem grössten Umsatz fanden sich dieses Jahr drei asiatische: Thailand, Tibet und die Philippinen.
Erstaunlich ist jeweils auch, wie viele bekannte Gesichter aus der Stadtverwaltung und aus der Politik man hier trifft – vor allem als Helferinnen und Helfer vor, während und (etwas weniger) nach dem Anlass.

 

Wo man zum Abschied „en Guete“ wünscht


Hans Stadtmann aus Wettswil a. A. ist mit einer Mongolin verheiratet und trägt den traditionellen «Del».

«Neues probieren» ist die am häufigsten gehörte Antwort, wenn man Gäste des Opfiker Food-Festivals nach dem Grund ihres Erscheinens fragt. Manchmal auch: «Ich habe etwas aus meiner Heimat gefunden, das ich sonst nur in den Ferien essen kann.» Tatsächlich ist wohl das Erfolgsrezept des Food-Festivals Opfikon, das am vergangenen Samstag bereits zum siebten Mal ausgerichtet wurde: Es ist authentisch. Die Menschen, die hier kochen, sind zum grössten Teil aus der ganzen Welt zugezogen und bringen ihre Kultur mit – und das zugehörige Essen den Besuchern näher. Die wenigsten wollen hier Geld verdienen – was dem Konzept der Macher um Stadtpräsident Paul Remund, dank kleinen Portionen viel mehr probieren zu können, manchmal etwas zuwiderläuft.
Einzelne Besucher fanden zwar die 6 Franken für Jetons, mit denen man die Gerichte bezahlte, etwas hoch. Davon kommen 5 dem Standbetreiber zugute, 1 Franken geht ans Organisationskomitee, das damit (und mit dem Verkauf von Getränken) die Umtriebe und ein Essen für die ansonsten unbezahlten Helfer finanziert. Doch im Vergleich mit anderen (Nachahmer-)Anlässen sind die Preise in Opfikon moderat, wie Initiator Paul Remund immer wieder feststellt.
Nicht beklagen konnte man sich über das Wetter, das dem Food-Festival einen (weiteren) sonnigen Spätsommertag bescherte. Dies bot Gelegenheit, die exotischen Speisen auch draussen, vor dem «Portikon»-Gebäude an der Thurgauerstrasse, zu geniessen – während die Kinder auf dem Karussell die Widerstandskraft ihrer Mägen testen.

 

 

 

 

 

Marcel, Testesser
Marcel Schweizer wohnt in Dietlikon und hat sich ein Bündner Capuns –– Spätzliteig in Mangold – geholt. «Ich kenne das zwar schon, aber ich möchte wissen, wie es hier schmeckt», sagt er.

 

 

 

Károly, Andrea und Petra, Asien-Fans
Károly Sipos, Andrea Schmidt und Tochter Petra haben sich trotz der riesigen Auswahl am Food-Festival relativ rasch für chinesisch (Baozi und Jianbing) und mongolisch (Huushuur) entschieden, «weil wir alle die asiatische Küche lieben». Károly stammt ursprünglich aus Ungarn, wohnt nun aber mit seiner Familie im Opfiker Glattpark. «Es ist toll, so etwas hier gleich um die Ecke zu haben», findet er.

 

 

 

 

 

 

 

Juan-Pablo, neu
Juan-Pablo Schmid hat sich am Stand von Äthiopien eingedeckt. «Ich wohne zwar nur zwei Strassen weiter, habe aber durch Zufall hiervon erfahren. Jetzt bin ich froh, hier zu sein.»

 

 

Pawel und Maria
Pawel Belyavski und Maria Niedermann sind extra aus dem Zürcher Oberland angereist. «Bei uns in Uster gibt es zwar auch die Street-Food-Days, aber die sind wesentlich teurer – und nicht so gut organisiert», finden die beiden. Pawel isst ukrainisch und Maria Pide, welche sie sonst nur bei der Mutter ihrer Mitbewohnerin bekommt.

 

 

 

Ramona und Leandro, die Teiler
Ramona Cerri mit Sohn Leandro hat sich diesmal für Reis mit Poulet und französische Crêpes entschieden. «Wenn man mit der ganzen Familie hier isst, wird es mit den vielen Jetons etwas teuer», findet die Glattbruggerin. Doch man behilft sich, indem man immer verschiedene Speisen nimmt und dann gegenseitig probiert – genau der Sinn des Food-Festivals.

 

Roger Suter, Stadtanzeiger vom 4.10.2018

Vorschau

Die Welt bekocht, im Glattpark gelandet

Er hat in ganz Amerika gekocht, nun macht er Burritos im Glattpark. Und fürs Food-Festival 2018 hat sich Daniel Hinder noch einmal etwas Neues ausgedacht.

Patricia Montenegro und Daniel Hinder in ihrem Burrito-Lokal Chipotle Express. (Foto: Roger Suter)

Das Leben in der Vielvölkerstadt Opfikon ist bunt. Deutlich wird das jeweils am Food-Festival, welches kommenden Samstag bereits zum siebten Mal stattfindet. Dort präsentieren Bewohnerinnen und Bewohner (und wenige Profi-Gastronomen) Gerichte aus aller Welt, meist ihrer Heimat.
Daniel Hinder ist einer von ihnen. Nach einer ersten Teilnahme 2016 und einer Pause hat er sich dieses Jahr entschlossen, ecuadorianisch, (die Heimat seiner Frau Patricia Montenegro) zu kochen. Auf seiner Karte stehen «Fritada con Ilapingachos con mote» – gebratenes Schweinefleisch, gekochter Mais und mit Frischkäse gefüllte Kartoffeltätschli – und «Ceviche de camarones». Wobei Kochen beim zweiten Gericht eigentlich falsch ist: die Ceviche, die er zubereitet, sind ein kaltes Gericht, das in ganz Südamerika in verschiedenen Varianten gegessen wird. Die ecuadorianische (und seiner Meinung nach beste) besteht aus frischen Tomaten und solchen als Sauce, mit Salz marinierten Zwiebeln, Koriander, etwas Limettensaft und Ketchup sowie vor allem Crevetten («spanisch: camarones»). In Ecuador, einem Ursprungsland des Mais, werden sie zusammen mit Popcorn genossen.
«Die meisten anderen Dinge wachsen in meinem eigenen Stadtgarten hier um die Ecke», so Hinder, der im «Urban Gardening» im Glattpark mehrere Kisten bepflanzt hat. Die dort gezogenen Zucchetti, Peperoni, Peperoncini und sogar Kürbisse isst er aber nicht alle selber: Seit kurzem betreibt Hinder am Boulevard Lilienthal den «Chipotle Express», wo er Burritos anbietet – Fladenbrote aus Weizenmehl, in die beispielsweise Hackfleisch, Bohnen, Reis, Tomaten, Avocado, Käse oder eben Gemüse eingewickelt werden. «Burritos sind bei mir sehr saisonal», sagt der langjährige, internationale Koch. Einigen dürften sie bereits aus der Kulturbar «Little London» am Ende des Boulevards Lilienthal bekannt sein: Dort hat Hinder sie jeweils über Mittag zubereitet, bevor er sein eigenes Lokal eröffnete.

Wissenschaftlich kochen
Sein Beruf führte den 58-jährigen Hinder nach Ecuador, Peru, Kolumbien, Mexiko, New York (wo er neben der unglaublichen Vielfalt an Restaurants aus aller Welt auch seine Frau kennenlernte), Trinidad und Tobago, Barbados und Antigua. Er war Koch, Küchenchef für die Hotelgruppe von Caspar E. Manz und sogar Lehrer an Kochfachschulen und Universitäten. «Dort haben Wissenschafter untersucht, wie die Menschen früherer Epochen gegessen haben – und ich habe mit den entsprechenden Zutaten gekocht.»
Nach einem zweiten beruflichen Aufenthalt in New York, wo seine Tochter und das Enkelkind noch immer leben, überlegte sich das Paar, wo es alt werden will. Die Wahl fiel auf die Schweiz, und hier auf den Glattpark, wo es schon 2011 einzog – «als im Nordteil noch Kühe grasten», lacht Hinder.
Trotz der internationalen Erfahrung ist Hinder heute glücklich mit den Burritos: «Sie entsprechen meiner Auffassung von Essen», erklärt er: wenige, aber täglich frische Zutaten, variabel an die Saison und an die Kundenwünsche anpassbar. Und er freut sich aufs Food-Festival, eine tolle Sache, wie er findet.
Unverändert ist dessen Konzept: Für 6 Franken gibt es einen Jeton, und diesen tauscht man an einem der 33 Stände gegen eine kleine Portion eines Gerichtes um. Die ganze Speisekarte findet man auf der Homepage des Anlasses, der ebenfalls unter dem Motto «50 Jahre Stadt Opfikon» steht.

Roger Suter, Stadtanzeiger vom 27.9.2018

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