Neujahrsblatt

In ALLE, bildend, kulturell, städtisch by Thomas Knöri0 Comments

Neujahrsblatt: Dicke Post

Für einmal ist Lesen bei Tisch nicht unanständig, sondern erlaubt. Foto: rs.

Das Opfiker Neujahrsblatt ist doppelt so umfangreich wie gewohnt. Kein Wunder: Es deckt anhand des «Stadt-Anzeigers» 50 Jahre Stadtgeschichte(n) ab.
Direktlink zum Neujahrsblatt 2018

«Nicht überraschend» sei das Thema des Neujahrsblattes 2018, fand Stadtpräsident Paul Remund. Es geht um die Stadt Opfikon – erzählt in rund 130 (Kurz-)Texten aus dem Opfiker «Stadt-Anzeiger» – der bis Ende 1973 noch «Gemeinde-Anzeiger» hiess, obwohl die Grenze der 10 000 Einwohner schon 1968 erreicht wurde, Opfikon sich aber erst ab 1974 Stadt nannte und erstmals ein Parlament sowie seine ersten sieben Stadträte wählte.
Man liest im Jahr 1968 von der Verwirrung, welche die Ortsteilnahmen schon damals verursachten (Post und Bahnhof Opfikons heissen heissen Glattbrugg – die Station Opfikon gab es damals noch gar nicht); 1970 von den Schwierigkeiten der ausländischen Kinder (oder vielmehr deren Eltern) mit dem Schweizer Schulsystem; 1972 von einem VW Käfer für die zwei Stadtpolizisten, Drogen für Jugendliche sowie «Gammler, Hippies und Rockers» (wobei sich der Autor vor allem an den androgynen Kleidern störte); vom Baubeginn der Autobahn (1973) und dem Sprengstoffanschlag auf den Blitzkasten im «Opfikonerrank» (1974, heutiger Kreisel Walliseller- und Thurgauerstrasse); vom Brand beim Ortsmuseum (1976); von einer Silbermünze fürs rechtzeitige Einreichen der Steuererklärung (1976); vom «Drahtfernsehen», das gegen den Widerstand der Sozialdemokraten eingeführt wird (1978); von der ersten Gemeinderatspräsidentin Helen Kunz (1979); vom vergeblichen Versuch, die Gemeindeversammlung wieder einzuführen (1983); vom ersten Neujahrsblatt (1986); von der Fassade der Baufirma W. Schmid AG, in welche Solarzellen integriert wurden (1988, Walter Schmid gründete später die Umwelt-Arena in Spreitenbach); von der Einführung der S-Bahn mit Zonenbilletten auch für Tram, Bus und sogar Schiff (1990); von der neuen Sackgebühr in Opfikon und neuen Chromstahl-Rutschbahn in der Badi (1993); vom ersten Kompogas-Lastwagen (1995, er fährt noch heute, gut zu erkennen an der grossen Motorhaube à l’americaine); vom 5000 Jahre alten Steinkistengrab am Rietgrabenhang (1998); von den Plänen für die «teuerste Wiese Europas (2003, Glattpark, damals noch «Agglos Traum»).

Kurz, dafür mit Internet verlinkt
Die Texte sind kurz und machen Lust auf mehr. Und dies ermöglicht das aktuelle Neujahrsblatt mit einem sogenannten QR-Code: Diese Klötzchengrafik kann mit dem Smartphone und einer entsprechenden App fotografiert werden und führt dann auf eine Internetseite, wo alle Artikel auf der Originalseite lesbar sind. Das klappt auch ganz gut – sofern die Texte nicht beispielsweise auf Seite 3 fortgesetzt werden, die hier fehlt (aber im Gesamtarchiv des «Stadt-Anzeigers» vorhanden ist). Dieses kleine Manko hielt die knapp 100 Besucherinnen und Besucher der Vernissage am Sonntag nicht davon ab, sich gleich nach dem Verteilen des Büchleins in die Lektüre zu stürzen.
Auch deshalb fand Yolanda Berner, welche die Arbeitsgruppe Neujahrsblätter (AGN) leitet, dass sich der ausserordentliche Aufwand gelohnt hatte: Die fünf AGN-Mitglieder Andreas Baier, Sabrina Eugster, Maureen Ehrensberger, Dominic Studer und Yolanda Berner hatten sich je ein Jahrzehnt vorgenommen und die Zeitungen nach Interessantem, Wegweisendem oder Skurrilem durchforstet.

«Fragen Sie einfach Ihre Enkel»
Unterstützt wurde die AGN erstmals von Anya Blum, die in die Fussstapfen des langjährigen Sekretariatsverantwortlichen Willi Bleiker getreten ist. Gestaltet wurde das Blatt wiederum von Thomas Knöri, der als hier Aufgewachsener auch sehr gut mit der Materie und vielen Geschichten vertraut war. Ihnen allen sprach Yolanda Berner ihren Dank aus und freute sich über den voll besetzten Kirchgemeindesaal.
Nach den eingangs erwähnten Dankesworten des Stadtpräsidenten und dessen Hoffnung, dass bewährte Anlässe auch noch weiterbestehen werden, führten Sabrina Eugster, Dominic Studer und Andreas Baier unterhaltsam und humorvoll vor, wie das mit dem QR-Code funktioniert. Und falls Fragen auftauchen («Soll ich das mit dem linken oder dem rechten Daumen antippen?»), einfach die Kinder oder Enkel fragen.
Danach sorgte der ehemalige Gastwirt Günter Berg mit seinem Küchenteam für wohlig volle Mägen, die zum Sitzenbleiben und Weiterreden animierten. Die ebenfalls verkaufte offizielle Festplakette (10 Franken) oder die Premium-Variante mit Bons (20 Franken) ist weiterhin in verschiedenen Opfiker Geschäften erhältlich.

Die Arbeitsgruppe Neujahrsblätter (von link): Maureen Ehrensberger, Andreas Baier, Yolanda Berner, Dominic Studer und Sabrina Eugster. Fotos: rs.

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