FlowerPower: Pop&Rock

In ALLE, familiär, kulturell, musikalisch by Thomas Knöri0 Comments

Blumen im Haar, Frieden im Herzen

Das Ad-hoc-Ensemble «l’arco baleno» sang am Wochenende «Flower Power – Summer of Love and Songs of Protest». Sowohl für die Samstags- als auch für die Sonntagsvorführung war der Mettlen-Singsaal ausverkauft.


Mit «Flower Power» wird die in den 60er-Jahren in denUSA entstandene Hippiebewegung bezeichnet. Der Kern der Hippiezeit war in den Jahren von 1965 bis 1971. Die «Blumenkinder», wie die Hippies im deutschsprachigen Raum auch genannt wurden, wollten sich gegen die Wohlstands- und Leistungsgesellschaft, die sie als politisch erstarrt und unglücklich machend empfanden, auflehnen. Wichtig für die Entstehung der Hippiebewegung war auch der Protest gegen das «sinnlose Morden» im Vietnam-Krieg. In der Hippiezeit etablierte sich ein eigener Musik- und Kleidungsstil. Lange Haare junger Männer sowie «verschmuddelte» Kleidung und «Opa-Mode» mit Weste, waren damals beliebte Symbole für eine Protesthaltung gegenüber dem Establishment.

Was immer aus den Hippies der 60er-Jahre geworden ist, einiges ist bis heute geblieben: der Wunsch nach Freiheit und nach einem friedlichen Zusammenleben von Menschen auf der ganzen Welt. Geblieben sind auch viele Songs aus der damaligen Zeit. Sie sind zu Evergreens geworden. An den beiden Konzerten des Projektchors «l’arco baleno» kam man in den Genuss vieler dieser Interpretationen, teils im Chor gesungen, teils als Soloeinlage dargeboten.

Musikalische Weltanschauungen
In den 60er- und 70er-Jahren bekannt wurden Gruppen wie The Beatles, The Birds, Procol Harum, Creedence Clearwater Revival, Uriah Heep, Simon & Garfunkel, Led Zeppelin, Jethro Tull oder «Einzelkämpfer» wie Joan Baez (geboren 1941),Marianne Faithfull (1946), Patti Smith (1946) oder Jimi Hendrix (1942–1970).

Ein bekannter Liedtext (von Scott McKenzie), der direkt auf den Ursprung der Hippiekultur und die Blumen Bezug nimmt, ist: «If you’re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair» («Wenn du nach San Francisco gehst, vergiss nicht, Blumen im Haar zu tragen»). Das Lied «Bridge over Troubled Water» ist eine Softrock-Ballade des US-amerikanischen Folk-Rock-Duos Simon & Garfunkel. Selbst Musikerkollegen wie Leonard Cohen waren von der Ballade begeistert: «Das könnte jenes Lied sein, das die Menschheit in dunklen Stunden tröstet», meinte Cohen. «Wenn du erschöpft bist und dich klein fühlst, wenn deine Augen voller Tränen sind, werde ich sie alle trocknen … Wie eine Brücke über unruhiges Wasser …». Das Publikum im Mettlen-Theater war sichtlich ergriffen. Hätte es eine Kerze oder ein Feuerzeug zur Hand gehabt … Ein Handy hats dann aber auch getan, um etwas «Licht ins Dunkel» zu bringen.

Der Song «I’m sittin’ on the dock of the bay watchin’ the tide, roll away» («Ich sitz hier am Hafen und schau mir den Gezeitenwechsel an») von Otis Redding wurde nur wenige Tage vor Reddings Tod 1967 aufgenommen. John Lennons «Give Peace A Chance» («Gebt dem Frieden eine Chance») ist eine der populärsten Hymnen der Friedensbewegung der 1970er-Jahre. Ebenfalls von John Lennon ist der Titel aus dem Jahr 1971 «Imagine there’s no heaven … Above us only sky» («Stell dir vor, es gibt kein Himmelreich. Keine Hölle unter uns, über uns nur das Firmament»).

Der Titel «We Shall Overcome», zu deutsch «Wir werden (es) überwinden», wird heute weltweit als musikalischer Protest gegen jede Art von Missständen verwendet. Die bekannteste Fassung des Liedes stammt von Joan Baez.

In der Hippiezeit entstanden sind auch das Musical «Hair» und die Rockoper «Jesus Christ Superstar» des damals noch unbekannten Andrew Lloyd Webber. Ein musikalischer Höhepunkt, der zugleich auch die Endphase der Hippiebewegung einleitete, war das Woodstock-Festival von 1969. Vor geschätzten 400 000 Besuchern traten 32 Bands und Solokünstler der Musikrichtungen Folk, Rock, Psychedelic Rock, Blues und Country auf, darunter Stars wie Jimi Hendrix, Janis Joplin und The Who.

«Hippie-Oberhaupt» des Abends
Einmal mehr konnte der in perfekter Hippie-Montur erschienene Dirigent Norbert Zeller mit seinem Ad-hoc-Ensemble «l’arco baleno» das Publikum begeistern. Was die Truppe da nach der kurzen Vorbereitungszeit von rund drei Monaten geleistet hat, ist erstaunlich. Allein schon das Auswendiglernen der englischen Texte muss zumindest einigen der Sängerinnen und Sänger einige Mühe gekostet haben. Ausser Alex Karle (Synthesizer und Gesang) besteht das Ensemble übrigens aus lauter Amateuren.

Nach grossem und verdienten Beifall folgte dann nochmals der Beatles-Song «Sergent Pepper» mit den sehr passenden Worten: «We’re Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band, We hope you have enjoyed the show, Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band, We’re sorry but it’s time to go». Zu Deutsch, kurz: «Wir hoffen, die Show hat euch gefallen,wir müssen uns jetzt leider verabschieden.»

Esther Salzmann, Stadtanzeiger 22. März 2018

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