Güggeliplausch

In ALLE, kommerziell, kulturell by Thomas Knöri0 Comments

Geschichtsträchtiger Güggeliplausch

Gegrillte Güggeli: Eine Gaumenfreude, wie einst, so auch heute. Mit ihrem Beitrag an die 50-Jahr-Feierlichkeiten feierte die Genossenschaft Dorf-Träff am Sonntag ein Wunderbrunnen-Güggelifäscht.


Der Jüngling auf dem Winzer-Brunnen soll die Tanse Wein für Grabarbeiten am damaligen «Neubau» (hinten) erhalten haben; darin befindet sich seit 2014 das neue Restaurant «Wunderbrunnen». Fotos: Esther Salzmann

«Wunderbrunnen» steht sowohl für ein Restaurant als auch für den eigentlichen Brunnen. Das heutige Restaurant ist seit September 2014 in Betrieb, der heutige Brunnen besteht seit 1960. Beide können auf eine interessante Geschichte zurückblicken.
Nachdem 1860 die Weinschenke in Oberhausen eingegangen war, eröffnete Barbara Fürst eine solche in Opfikon, vermutlich den «Wunderbrunnen». Um diese Zeit herum kann auch das Gebäude (heute Dorfstrasse 35, gegenüber dem aktuellen «Wunderbrunnen») entstanden sein.
Der Name «Wunderbrunnen» kommt daher, weil man sich lange nicht erklären konnte, woher das Wasser kommt, welches durch das Dorf hinab floss. Dem Berg entströmte stets Wasser unbekannter Herkunft, ein wahres Wunder! Der alte Dorfbach besass drei Ausläufe: einen in den Dorfbach, einen in den Brunnentrog und einen in ein tiefes Loch, in dem die Kinder im Sommer badeten. Im Winter war die vereiste Dorfstrasse ein beliebter Schlittelweg für die Jugend. Doch ab und zu endete eine Schlittelpartie an der Ecke des grossen Wassertrogs des «Wunderbrunnens». Ein mit zwei Pferden bespanntes Fuhrwerk raste gar direkt in das Brunnenbecken, wodurch das Becken beschädigt wurde und eines der verletzten Pferde abgetan werden musste.

Die Wirtschaft und der «Neubau»
Geologen fanden später heraus, dass das Wasser aus einer Überlaufstelle des Grundwassersees unter dem Hardwald kam. Beim Bau der Kanalisation wurde der alte Brunnen abgebrochen. Der heutige Brunnentrog von 1960, der «Winzer-Brunnen», wurde vom Bildhauer Ernst Keller aus Eglisau aus Muschelkalk gestaltet.
In den 1880er-Jahren errichtete Rudolf Geering den heute noch so genannten «Neubau» (den heutigen «Wunderbrunnen», Dorfstrasse 36), das damals einzige Mehrfamilienhaus im alten Bauerndorf Opfikon. Durch den Bergdruck und die Grundwasser-Austritte wurden die Baukosten jedoch enorm verteuert. Sozusagen über Nacht liess Geering dann durch junge Opfiker Burschen eine Wasserleitung quer über die Strasse bis in den Keller der Wirtschaft «Wunderbrunnen» graben und belohnte die jungen Männer nach getaner Arbeit mit eine Tanse voll Wein. Ein Jüngling mit Tanse ziert denn auch den heutigen Dorfbrunnen aus dem Jahr 1960. 1898 mussten die beiden Liegenschaften von Geering konkursamtlich versteigert werden. Nach mehreren Handänderungen kaufte der Bäcker und Wirt Robert Gottschick im Jahr 1919 den alten «Wunderbrunnen». Gottschick stellte besonders delikate Wähen her, die bald vielfachen Absatz fanden. Das Wähenessen im «Wunderbrunnen» wurde zu einem Begriff.
Ab November 1942 befand sich der «Wunderbrunnen» im Besitz von Bäckermeister Fritz Zaugg-Schrepfer, der nur während dreier Jahre wirtete, die Bäckerei aber bis 1962 betrieb. Im Laufe des Jahres 1945 überliess Fritz Zaugg den Wirtschaftsbetrieb pachtweise seiner Schwester Bertha Tanner-Zaugg. Obwohl damals, nach Kriegsende, die Lebensmittelrationierung noch weiter aufrechterhalten wurde, gelang es der tüchtigen Wirtin, aus dem «Wunderbrunnen» eine weitherum bekannte «Güggelibeiz» zu machen. Grilliert wurden die damals unübertroffen feinen Güggeli vom Ehegatten Werner Tanner.

Ein traditionelles Sonntagsmenü
Das Menü im damaligen «Wunderbrunnen» bestand aus einem halben Poulet mit den Beilagen Marroni, Blaukraut sowie Pommes frites oder Knöpfli und kostete 7.50 Franken (später 8). Zusätzlich konnte, gegen Aufgeld, eine köstliche Lauchsuppe genossen werden. Ebenfalls als Extra wurden Früchtedesserts angeboten. Alle Zutaten kamen von Opfiker Bauern. Die Güggeli kaufte man vorwiegend bei Hans Scherrer ein, der am heute von Wohnhäusern übersäten Rietgrabenhang eine Geflügelfarm betrieb.
Am vergangenen Sonntag liess die Genossenschaft Dorf-Träff die Tradition des Güggeli-Schmauses aufleben und offerierte den zahlreich erschienenen Gästen ein halbes Wunderbrunnen-Güggeli mit Bratkartoffeln zu einem Spezialpreis von 14 Franken. Diesmal stammten sie aber nicht vom Opfiker Rietgraben, sondern von Peter Imper aus Glattbrugg. Denn an den köstlich knusprigen Stücken von «Impis Grill» kommt man als Güggeli-Liebhaberin nicht vorbei.

Esther Salzmann, Stadtanzeiger vom 21.6.2018

Peter Imper stand auch am Sonntag in seinem Grillwagen und verwöhnte die Gäste mit seinen vorzüglichen Güggeli.

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