Treberfest

In ALLE, familiär, kulinarisch, kulturell by Thomas Knöri0 Comments

«Ich staune, dass wir es jedes Jahr wieder hinkriegen»

400 Würste, 60 Helfer und unzählige Gäste: Das 17. Treberfest der Rebberg-Genossenschaft schlug zahlenmässig alle Rekorde.

Gastgeber und Genossenschaftspräsident Hansruedi Hottinger in der RGO-Schürze mit einigen seiner Gäste. (Fotos: Toni Spitale)

Letzten Samstag kurz nach Mittag: Vor dem Vereinslokal der Familiengärten Hauächer gibt es keinen einzigen freien Parkplatz mehr. In einem wettergeschützten Unterstand hat der Verein Glattchuchi zwei grosse Kochkessel aufgestellt. Weisser Dampf entweicht. Das Vereinsmitglied Dominik Roos öffnet den Deckel und zieht zwei Paar Treberwürste heraus. «Von der einheimischen Metzgerei Arnold speziell für den heutigen Anlass angefertigt», erklärt Roos stolz. Er und seine beiden Kollegen sind seit acht Uhr früh auf den Beinen. Rund die Hälfte der insgesamt 400 Würste seien bereits verspeist worden, schätzt Roos.
In einem Zelt vor dem Eingang stehen für die Gäste Weingläser, gefüllt mit Opfiker Rosé, bereit. «Aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums von der Stadt offeriert», wie eine Helferin betont. Die meisten Neuankömmlinge verharren aber nur kurz in der Kälte, schnappen sich ein Glas und entschwinden im Innern.

Nächstes Jahr noch besser
Dort herrscht derweil Hochbetrieb. Die rund 60 Helferinnen und Helfer der Rebberg-Genossenschaft haben alle Hände voll zu tun, um die Wünsche der zahlreichen Gäste zu erfüllen: Treberwurstteller, garniert mit Lauchgemüse und Kartoffeln, sowie Treber-Kaffee und hausgemachte Meringue zum Dessert finden reissenden Absatz. Für eine kurze Verschnaufpause zwischendurch bleibt kaum Zeit. Trotzdem herrscht unter dem Personal eine lockere Stimmung: «Wir haben bisher nur Komplimente erhalten», sagt einer der insgesamt 15 Hobby-Köche. Vielleicht habe dies damit zu tun, dass sie heuer die Zwiebeln erstmals kurz angeröstet hätten. Nächstes Jahr soll das Traditionsgericht verfeinert und demzufolge noch besser werden, verspricht das Glattchuchi-Mitglied vollmundig. Als Servicekraft steht zum wiederholten Mal auch Gemeinderat Ulrich Weidmann (SVP), noch bis Ende Mai höchster Opfiker, im Einsatz. Immer wieder unterbricht Maja Perego das Stimmenwirrwarr und sorgt mit ihrem Schwyzerörgeli für etwas Abwechslung.

Von Anfang an ein Erfolg
«So viele Leute haben wir noch nie gehabt», stellt Hansruedi Hottinger im Laufe des Nachmittags freudig fest und ergänzt: «Zudem ist die Stimmung gut und die Gäste fühlen sich wohl.» Das Fest sei einst aus Mangel an Aktivitäten im Winter entstanden, wie der langjährige Präsident der Rebberg-Genossenschaft ausführt. «Wir suchten nach einer Plattform, um unsere Genossenschaft gegen aussen bekannt zu machen.» 1998 fand dann zum ersten Mal ein Treberfest statt, dannzumal noch im Dorf-Träff. Der Erfolg sei überwältigend gewesen, erinnert sich der pensionierte Lehrer, der seit der Gründung im Jahr 1994 im Vorstand sitzt. Aus Platzgründen habe man das Treberfest vor drei Jahren ins Vereinslokal der Familiengärten Hauächer verlegt. «Wir sind sehr zufrieden mit dieser Lokalität und hoffen, dass wir auch noch lange hier bleiben können.»

Bis 2030 läuft der Pachtvertrag
Angesprochen auf den enormen Aufwand meint Hottinger: «Ich staune, dass wir es jedes Jahr wieder hinkriegen, obwohl wir alle inzwischen 25 Jahre älter sind.» Die Überalterung macht ganz offensichtlich auch vor der RGO nicht Halt. Dennoch könne sich die Genossenschaft glücklich schätzen, dass immer wieder jüngere Bewohner aus Opfikon und den umliegenden Gemeinden hinzustossen würden. Noch bis 2030 läuft der Pachtvertrag für den Rebberg südlich des alten Dorfes. Bis mindestens dann will die RGO weiterhin ihre Reben kultivieren und die Früchte daraus zu edlen Tropfen verarbeiten. «Neue Mitglieder sind bei uns jederzeit willkommen», rührt Hottinger nochmals die Werbetrommel, bevor er sich wieder ins Gewimmel stürzt.

Bevölkerung hält zusammen
Alles, was in der Stadt Rang und Namen hat, gibt sich an diesem Nachmittag die Türklinke in die Hand: ehemalige Stadtpräsidenten, amtierende Stadträte, Gemeinderäte, Schulleiter, Kirchenpräsidenten und Gewerbetreibende. Rosia Steiner, seit 1954 in Opfikon zu Hause, bringt es auf den Punkt: «Weil ich viele Leute treffe, die ich kenne, komme ich jedes Jahr ans Treberfest.» Genau so sieht es Doris Aebersold, die, wie sie zu Protokoll gibt, genau seit 50 Jahren in Glattbrugg lebt. «Die Bevölkerung hält zusammen, man ist gerne untereinander, und die Vereine unterstützen sich gegenseitig.»

Toni Spitale, Stadtanzeiger vom 8.2.2018

 

Gemüse, Wurst und Wein gleich um die Ecke

Neben der Hauptattraktion, der Treberwurst, gab es auch andere lokale Köstlichkeiten zu geniessen: Wein und Traubenbrand vom Rebberg und Gemüse vom Opfiker Bauernhof.

Die Glattköche mit zusätzlicher Unterstützung von Alice Grob (von links): Stephan Messerschmidt, René Aebischer, Karl Müller, Hans Grob, Reto Gadient und Fritz Schär. (Fotos: Esther Salzmann)

Natürlich geht es am Treberfest vor allem um die Wurst – um eine ganz spezielle. Aber ist alles andere einfach nur Beilage? Was wäre denn selbst die beste Treberwurst ohne Beilage? Es wäre einfach «Wurst ohne alles». Und wäre uns das wurst?
Woher kommt eigentlich der Spruch: «Das ist mir wurst»? Auf einem Internetforum findet sich dazu folgende, nicht ganz unlogisch erscheinende Vermutung: «… vielleicht ist nur an die Gleichartigkeit gedacht, die sich bei der Wurst an beiden Enden zeigt. Es ist gleichgültig, an welchem Ende die Wurst angeschnitten wird.» Nun, im Moment muss uns die Wurst mal Wurst sein, denn zunächst geht es um die Beilagen.

Noch geht es nicht ans Kochen
Sechs Hobbyköche der «Glattchuchi» standen schon am Freitagnachmittag in der Küche des Familiengärten-Vereins Hauächer im Einsatz, um Gemüse zu rüsten und zu schnetzeln, damit es dann am Samstag gekocht und zusammen mit einer Wurst appetitlich angerichtet werden konnte. Bei Glattkoch Hans Grob kommen einem zunächst gleich die Tränen – er ist mit den Zwiebeln beschäftigt. Seine Frau Alice, die heute zur Verstärkung der Glattköche dabei ist, schält derweil schon fleissig Rüebli. Auch Stephan Messerschmidt ist am Rüeblirüsten. Neben ihm arbeitet Karl Müller und schneidet die Lauchstängel in Stücke. René Aebischer schält die Kartoffeln, die dann von Fritz Schär in Stücke geschnitten werden. Ganz so einfach ist das allerdings nicht, und Schär muss auch mal mit der Faust auf das Messer schlagen, um die festkochenden Kartoffeln zu zerstückeln. Und dann schneidet er sich auch noch in den Finger. Kollege Müller hat aber ein Pflästerli zur Hand.
Im offenen Anbau, wo am nächsten Tag die Kessel und Holzofen stehen werden, ist Reto Gadient konzentriert am Chabis-Zuschneiden. Er sei dieses Jahr der OK-Chef für die Glattköche, erklärt er, da sich Kurt Mumenthaler, der sonst für die Organisation des Treberessens verantwortlich ist, auf Reisen befinde. Und natürlich kommen die Zutaten nicht vom Grossmarkt. Das Gemüse lieferte der Landwirtschaftsbetrieb der Familie Altorfer in Opfikon, 400 Würste wurden in der Glattbrugger Metzgerei Arnold nach einem Geheimrezept hergestellt, und der Opfiker Rebberg schliesslich «lieferte» Wein und Traubenbrand.

Einkaufsliste
Falls man selber mal ein Treberwurst-Essen für zu erwartende 400 Gäste organisieren will, hier die von den Glattköchen eingesetzte Einkaufsliste:
30 kg Kabis weiss
25 kg Kartoffeln festkochend
20 kg Rüebli
14 kg Lauch grün
12 kg Zwiebeln
10 kg Gemüselauch
viel Peterli

Esther Salzmann, Stadtanzeiger vom 8.2.2018

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