Zeitreise

In ALLE, bildend, familiär, kulturell, städtisch by Thomas Knöri0 Comments

«Zeit-Rahmen» im Stadthaus

Das Stadthaus bietet derzeit mehr als den «Gang aufs Amt»: Man reist in der Zeit zurück – häppchenweise, wenn gewünscht.

Renaud Joye, Galerist des Opfiker «Dorf-Träff», hat die gefundenen Geschichten in 77 Rahmen gefasst. (Foto: Roger Suter)

Geschichte ist nicht eine feste Abfolge von Begebenheiten. Sie setzt sich zusammen aus vielen einzelnen Dingen, die passiert sind – manche lösten weitere aus, und erst aus zeitlicher Distanz und mit historischer Einordnung wird klar, wieso es so kommen musste. Manche aber geschahen aus heiterem Himmel und man rätselt noch heute, wieso.
Diese Gegensätze treffen derzeit im Stadthaus aufeinander: Die letzten Donnerstag eröffnete Ausstellung «Zeitreise» zeigt einerseits Ausschnitte aus über 60 Jahren «Stadt-Anzeiger», also das aktuelle Tagesgeschehen aus der damaligen Sicht. Andererseits hat das Stadtarchiv interessante Aspekte und Trouvaillen aus dem Keller geholt und in den Rahmen dargestellt.
77 Rahmen hat Renaud Joye erstellt (und ein paar auf Reserve, denn der Themen-Fundus ist gewaltig). Jedes dieser mit Farben strukturieren Ausstellungs-Puzzleteile gab zwischen einer und zwei Stunden Arbeit – die Recherche für die eigenen Beiträge noch nicht eingerechnet.
Und auch die Recherche war eine Mammutaufgabe: Neben Joye haben sich alt Stadtpräsident Jürg Leuenberger, Archivar Jan Schneebeli und «Stadt-Anzeiger»-Redaktor Roger Suter durch Dutzende Bücher, Ordner und Schachteln gelesen und so erstaunliche Geschichten, lustige Anekdoten wegweisende Entwicklungen genauso aufgespürt wie Projekte, die in Sackgassen landeten. Die Reaktionen der rund 60 Vernissage-Gäste (von «Weisst du noch?» bis «Das habe ich gar nicht gewusst!») jedenfalls zeigten, dass (Orts-)Geschichte sehr spannend sein kann.

Geschichte passiert draussen

Stadtpräsident Paul Remund, der extra für diesen Abend seine Ferien unterbrochen hatte, freute sich über eine weitere Veranstaltung zum 50-Jahr-Jubiläum der Stadt Opfikon. Jürg Leuenberger, der den Löwenanteil an Geschichten geliefert hat, erinnerte sich an seinen Leserbrief zugunsten eines krähenden Hahns, der inmitten von startenden Flugzeugen doch kaum ein Problem darstellen könne (was das Tier aber nicht vor dem Schlachten bewahren konnte). Und Jan Schneebeli zeigte auf, dass Opfikon erst dank des Flughafens vom Bauerndorf zur prosperierenden Gemeinde wurde.
Ergänzt wird die Zeitreise in den Gängen des Stadthauses durch Plakate überall in der Stadt: Sie zeigen den jeweiligen Ort in früherer Zeit und ermöglichen so den Blick zurück.

Roger Suter, Stadtanzeiger vom 1.2.2018

 

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