Jubiläumsfest

In ALLE, bildend, familiär, kommerziell, kulinarisch, kulturell, musikalisch, sportlich, städtisch by Thomas Knöri0 Comments

Wenn Opfikon seinen 50. Geburtstag feiert, dann richtig

Das Stadtfest 2018 zum Jubiläum ist Geschichte. Die Geschichten, die in Erinnerung bleiben, sind aber unzählig.

www.stadtjubiläum.ch

Das Opfiker Stadtfest vom vergangenen Wochenende bot ein Programm, das man unmöglich vollständig überblicken, geschweige denn absolvieren konnte. Die folgenden Zeilen und Bilder erheben deshalb keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sollen aber den Ferngebliebenen zeigen, was sie möglicherweise verpasst haben.

Für einmal sind die Damen der Zürcher Limmatnixen ihrem heimischen Gewässer entflohen, um im Opfiker Freibad ihre Show abzuziehen. Allesamt seien sie ehemalige Schweizer Meisterinnen im Synchronschwimmen, die sich mittlerweile von den Wettkämpfen zurückgezogen hätten. Bei ihrem kurzen Landaufenthalt beim Mikrofon verrät eine der Nixen, dass die Tänzerinnen einen Unterwasser-Lautsprecher verwendeten, um nicht aus dem Takt zu fallen, und dass sie ihre Haare mit Gelatine in Form hielten. Auch für Männer, die eine stabile Frisur möchten, sei dieser Tipp sehr gut, witzelt sie und springt zurück zu ihren Teammitgliedern ins lauwarme Nass, um ein Michael-Jackson-Medley mit anmutigen Bewegungen zu untermalen.

«Nach der Show machen wir im Nichtschwimmer-Becken einen kleinen Workshop für Knaben und Mädchen», erklärt eine andere Nixe dem Publikum, ehe sie das Mikrofon ebenfalls abgibt und zu ihren Kolleginnen ins Becken springt, wo dem begeisterten Publikum eine Zugabe demonstriert wird. Vor allem die Sprünge der blau-glitzernden Wasserwesen finden bei den Zuschauenden grossen Anklang und so kommt es, dass die Damen im Anschluss an die Show alle Hände voll zu tun haben und diverse lachende Kinder und Jugendliche durch die Luft schleudern.

Wasserbomben im Pool
Pünktlich um 13 Uhr versammelt sich am Sonntag eine grosse Anzahl an Schaulustigen vor dem Sprungturm, auf welchem Stadtpräsident Paul Remund steht, um den grossen Arschbombencontest zu eröffnen. Norbert Zeller, Jurymitglied und aktueller Schulpräsident, erklärt die Regeln: «Wir bewerten die Ästhetik des Sprungs, wie auch die Höhe und Breite der Fontäne.» Jeder und jede dürfe mitmachen und es sei erlaubt, mehrmals zu springen, um sein Resultat zu verbessern. Die Masse startet den Countdown und Remund begibt sich in den freien Fall. Sein Sonnenhut reicht während des Sprungs die Scheidung ein und so schwimmt der höchste Opfiker nach einer soliden Leistung allein an Land und unternimmt sogleich eine Mutation: Vom Politiker zum Arschbomben-Jury-Mitglied. Welch unerwartete Wendung in seiner Karriere!

Es folgen vorwiegend Jugendliche Knaben und junge Herren, die das Publikum mit einer Vielzahl an Sprungtechniken und Fontänenformen entweder begeistern oder ihm ein mitfühlendes «Aua!» entlocken. Ein muskulöser, braun gebrannter Mann nimmt Anlauf und holt sich mit einem Salto und einer riesigen Fontäne die beste Bewertung des Nachmittags.

«Wenn ich gewusst hätte, dass das erlaubt ist, hätte ich natürlich auch einen Salto gemacht», witzelt der Stadtpräsident. Die Stimmung ist ausgelassen und nach gut 45 Minuten ist der Contest zu Ende. Preise gibt es keine, aber der Ruhm und die Ehre genügen den Teilnehmenden allemal.

Fussballer am Spiess
Ein weiteres Highlight des Opfiker Jubiläumsfests findet am Sonntagnachmittag auf der Eventwiese statt. Im von den Auszubildenden der Stadtverwaltung Opfikon aufgestellten «Human Kicker» (ein überdimensionierter Töggelikasten) stehen sich der Stadtrat und der Gemeinderat gegenüber, um sich in einem intensiven Fussballspiel zu messen. Die Zuschauer, die sich um das aufgeblasene Gummifussballfeld drängen, nehmen spontan die Rolle des Linienrichters ein und werfen den Ball immer wieder ins Spielfeld zurück. Schulpräsident Norbert Zeller erinnert sich daran, dass unter den Männern des Stadtrates wie auch des Gemeinderates grosse Begeisterung herrschte, als die Anfrage zum fussballerischen Kräftemessen eintrudelte. «Leider ist unsere einzige interessierte Frau krankheitshalber verhindert, weshalb der Stadtrat heute mit einer reinen Männermannschaft in die Schlacht zieht», gibt er Auskunft. Der Gemeinderat, der das Spiel mit zwei Frauen in der 6-köpfigen Mannschaft bestreitet, gewinnt schliesslich mit einem knappen 9:8 und der «Human Kicker» wird anschliessend wieder der Öffentlichkeit freigegeben.

Über das ganze Wochenende hinweg hätten sich diverse Teams gebildet und die Anlage erfreute sich grosser Beliebtheit, sagt Giordan Kunz, der gemeinsam mit den anderen Auszubildenden die Idee und Umsetzung des Spielfeldes organisierte. Im Match der Auszubildenden gegen das Team der Lehrmeister unterlagen die Youngsters ihren erfahreneren Berufskollegen mit 10:5. Bleibt nur noch zu hoffen, dass an der Fussball-WM auch so viele Tore fallen werden.

Drachen lehren paddeln
Erstaunlich menschlich zeigen sich die Greifensee Dragons bei ihrem Besuch im Schwimmerbecken des Freibades am Sonntagnachmittag. Sie hätten extra die einfachsten Paddles mitgenommen, um den Interessierten die Grundlagen beizubringen. Sarah Länzlinger ist eine dieser Interessierten: «Immer, wenn ich die Möglichkeit zum Paddeln habe, nehme ich sie wahr», sagt sie. Es sei ein spezielles Gefühl, über das Wasser zu gleiten.

Diese Ansicht wird offenbar von vielen geteilt. Jung und Alt kommen bei den beiden Coaches vorbei, schnappen sich Brett und Ruder und stellen ihren Gleichgewichtssinn auf die Probe. «Wenn man zuerst sitzend vom Beckenrand wegpaddelt, dann tut es weniger weh, wenn man vom Brett fällt», ist einer der wertvollsten Ratschläge der Coaches, die normalerweise Wettbewerbe im Stand-up Paddling und im Drachenbootfahren bestreiten. Auf der Homepage www.greifensee-dragons.ch bietet sich einem ein Blick hinter die Kulissen: Bilder von nationalen und internationalen Events und Wettbewerben sind zu bestaunen. Am eindrücklichsten sind aber die brandaktuellen Fotos des Vollmond-Paddlings, welches am 29. Mai 2018 stattgefunden hat.

Daneben bietet der Verein auch Teamevents an, an welchen Firmen und sonstige Teams ins Wasser geführt werden.

Handarbeit für Gaumen und Auge
Der Thai-Food-Stand bietet hausgemachte thailändische Spezialitäten an. Viele Schaulustige haben sich versammelt, um Napat dabei zu bestaunen, wie sie aus einer Wassermelone einen Rosenkranz schnitzt. «Wir machen das auch auf Bestellung an Hochzeiten, Geburtstagen oder sonstigen Events», erklärt sie. Je nachdem, was gewünscht sei, dauere es zwischen zwei und sechs Stunden, um aus einer grossen Melone ein Stück Kunst herzustellen.

Der mobile Geldautomat der ZKB kommt Familie Espinoza sehr gelegen. Sobald der Opfiker sein Portemonnaie gefüllt hat, gibt er Auskunft: «Heute ist Familientag. Für unsere Kinder ist dieses Fest toll, denn es gibt Süssigkeiten, Bahnen und viele Attraktionen im Freibad.»

In den grossen Gratiszeitungen werde fast nur noch oberflächlich über Gewalt, Sex und Prominenz berichtet. Beat Aebi setzt sich für mehr Tiefgang ein und verteilt deshalb an vier bis fünf Tagen die Woche andere Zeitungen desselben Verlages. «Anlässe wie das Opfiker Jubiläumsfest eignen sich aber nicht so gut dafür», sagt er. Weil so viel los sei, nähmen sich die Leute meistens keine Zeit, um hinzusitzen und zu lesen.

«Ich gehöre bereits zur dritten Generation, die den Alpenblitz führt», gibt der Mann hinter der Kasse Auskunft. Zu viert oder zu fünft reise das Team jeweils an, um die beliebte Bahn aufzustellen, zu betreuen und schliesslich wieder abzubauen. Ab und an fahre er selbst mit ähnlichen Bahnen, um sie mit dem Alpenblitz zu vergleichen. «Als meine Kinder noch jung waren, habe ich das aber viel regelmässiger gemacht.»

Ferienfeeling erhalten
«Ich bin gestern aus den Ferien nach Hause gekommen», erzählt die braun gebrannte Gaby Müller aus Kloten. Auf Djerba, Tunesien, habe sie jeden Tag etwa ein Kilo Wassermelone verspeist und eine Art Sucht entwickelt. Als sie gesehen habe, dass man die grossen Früchte auch am Jubiläumsfest erwerben kann, habe sie natürlich sofort zugeschlagen. Jetzt mache sie mit ihrem Partner einen gemütlichen Tag im Freibad und geniesse die Attraktionen, wie den Arschbomben-Contest oder die Show der Limmatnixen.

Tanzshows auf der Bühne
«Wir wurden von der Stadt angefragt, ob wir einen Posten aufbauen möchten», erklärt Samuel Zekar von der Jubla Glattbrugg. Die Seilbrücke, welche über die Glatt gespannt wurde, habe sich bereits in diversen Ferienlagern bewährt und die Kinder hätten grosse Freude daran, den Fluss in bester Tarzan-Manier zu überqueren.

Für eindrückliche Tanzeinlagen auf der Main Stage war die Dancers Tanzschule besorgt. Geschäftsführer und Tanzlehrer Oliver Baumann gelang es in der kurzen zur Verfügung stehenden Bühnenzeit, einen umfassenden Einblick ins Tanzen und damit das Tätigkeitsfeld des «Dancers» (unter der Autobahn, gleich hinter dem Auwäldli) zu geben. Von Kindertanz über Hobby- und Turnier-Tanz wurde jede Alterskategorie angesprochen. Ebenso wurden mit Discofox, Line Dance, Cha Cha Cha, Rumba, Tango Argentino sowie Jive, Boogie Woogie und Salsa viele der gängigen Tänze den begeistert klatschenden Anwesenden nahegebracht.

Fabian Moor, Esther Salzmann, Werner Spath, Sybille Grimm und Roger Suter, Stadtanzeiger vom 7.6.2018

«Über sieben Brücken musst Du gehn»

Seilbrücken und Wakeboarder auf der Glatt, Motorsägen mit 80 PS und ein Riesenrad – das Stadtfest bietet auf beiden Seiten des Flusses Dutzende von Attraktionen. Wo soll man da als Familie anfangen? Und wo aufhören?

Sieben Mal überqueren die Familie Steiner und die Familie Moret am Samstagnachmittag gemeinsam die Glatt, um eine glatte Runde durch den Opfiker Attraktions-Dschungel zu drehen. Als Familie an die Chilbi zu gehen, schwankt minütlich zwischen Freudentaumel und Kraftakt. Foodmeile, Holzfällershows, Seilrutsche, Wasserrutsch-Contest und zwei Zelte voller Musik – Kinder und Eltern haben am 50-Jahr-Jubiläum der Stadt Opfikon die Qual der Wahl.

Der Papi Steiner möchte gern zu den Motorsägen. Hier herrscht Hacken, Schwitzen und das Kreischen der Motoren. Da schlägt jedes Töfflibueben-Herz höher, die zu Motorsägen umgebauten Töff- und Jetski-Motoren knattern laut und die fast zwei Meter grosse Handsäge ist zum Greifen nah – aber Obacht, auf keinen Fall anfassen!

Laurent Perrin, Matthias Knörr und Jeff Ryser, kräftige Athleten aus der Umgebung von Biel, zeigen Disziplinen, die uns völlig unbekannt sind: Schneide in zwei Minuten fünfzehn Holzscheiben von einem stehenden Stamm, ohne dass sie herunterfallen. Liebe Zuschauer, versucht es zu Hause Mal mit einem Brot! Oder hacke einen Stamm mit 20 bis 30 Schlägen in zwei Teile. Und zur Erholung: Schneide schnell einen kleinen Stuhl mit Lehne aus dem Baum.

Hosenlupf ok, Sägemehl «Wäh!»
Doch den Kindern wird es langweilig. Zu dumm nur, dass wir die Badehosen zu Hause gelassen haben, wo doch die Badi gratis ist! Wollen Eline (6) und Louis (8) sich einmal im Schwingen mit einem «Hoselupf» üben? Es «gluschtet» sie sehr, aber beide möchten nicht voller Sägemehl enden – auch wenn eine Badewanne zum Abwaschen und Abkühlen einlädt. Und wo ist die zweijährige Anna? Ach, da spaziert sie ja gerade zu den Sägen zurück, sie mag nicht mit Mama Alphorn hören.

An den Wakeboardern kann sich die Kinderschar kaum sattsehen. Wie Superhelden fliegen die mutigen Männer über Hindernisse, nur an einem dünnen Seil durchs Wasser gezogen. Die Landung ist nicht ganz ungefährlich, weil die Glatt nicht gerade tief ist.

Auch die Seilbrücke fasziniert die ganze Familie, Mami Steiner will sich gerade anstellen – doch dann sehen die Kinder die «Gumpi-Burg». Es stellt sich heraus, dass dies ihre allerliebste Attraktion wird und die Familien den ganzen Nachmittag dort verbringen könnten – wäre es den Eltern nicht zu heiss und der Kinder-Andrang manchmal gar gross für die kleine Ritterburg.

Der Rodeo-Stier daneben fasziniert Eline besonders. Sie und Louis wollen es versuchen, doch sie sind halt noch keine 10 Jahre alt. Also darf Mama Steiner stellvertretend aufsteigen, um nur 22 Sekunden später unter viel Gejohle der Zuschauer wieder herunterzufallen. Es ist viel rutschiger, als es aussieht!

Nachher auf die wilden Bahnen
Danach bleiben die Kinder bei der Riesen-Murmelbahn hängen. Zum Glück hat es hier Schatten, und einen Posten weiter gibt es kühle Getränke gegen eine milde Spende. Jetzt erholen sich wieder alle bei Popcorn und einem blauen Sirup. Klein Anna spaziert wieder einmal davon, doch wir finden sie auf der übersichtlichen Wiese sofort wieder. Hier treffen sich Nachbarn und alte Bekannte, und eigentlich könnte man den ganzen Tag auf dieser Wiese verbringen, die verschiedenen Posten sind lustig und abwechslungsreich. Doch die Kinder wollten noch auf die wilden Bahnen! Die drei kleineren Kids haben schätzungsweise noch für eine Stunde Akku. Also auf ins Gewühl!

Zwei schnelle und holprige Runden «Ratter-Zug» später werfen die Kinder Bälle nach Büchsen, und jedes ergattert einen lustigen Trostpreis. Nur Lielle (4) mag es etwas ruppiger, sie will lieber mit Papa aufs «Putschauto».

Gerade als die Familien zum Riesenrad wollen und im Hauptzelt eine tolle Salsa-Show vorgeführt wird, leert ein Trostpreis aus: ein klebriger, leuchtgelber «Slimy» fällt zu Boden. Klein Anna möchte auch nicht mehr im Kinderwagen sitzen bleiben, doch hier im Gewühl will Mama Moret sie nicht suchen müssen. So beschliessen die beiden Familien, dass das Riesenrad ohne sie weiterdrehen muss und gehen nach Hause.

Nur Mama Steiner kann es nicht lassen. Nach erfolgreicher Fütterung der Jungmannschaft überlässt sie die Kinder dem Papa und geht wieder ans Fest – schliesslich sind abends vielversprechende Bands wie Nickless im Feuerwehr-Zelt angesagt. Das will sie sich trotz Sonnenbrand nicht entgehen lassen.

Loa Steiner, Stadtanzeiger vom 7.6.2018

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